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b.losch 1981

Tübingen, OT Unterjesingen, Lkr. Tübingen, A: ca. 3 km nordöstl. des Ortes im Waldgebiet Schönbuch, etwa halbwegs zwischen dem Tübinger OT Hagelloch und dem Schloss Hohenentringen, Waldabteilung 'Brudergarten' (günstig erreichbar: die Fahrstraße von Schloss Hohenentringen in östl. Richtung erreicht nach ca. 600 m eine Kreuzung am Waldrand mit Parkmöglichkeit, hier ist dem Weg in südwestl. Richtung, rechts, ca. 160 m bis zu einer östl. abzweigenden Forststraße zu folgen, die nach ca. 460 m [vorbei am Grillplatz] die Brudergartenkreuzung erreicht, hier ca. 40 m südl. weglos im Wald), Steinkreuz, Benennung: 'Bruderkreuz' 

Obertägige Maße: (aktuell nicht bekannt), Steinkreuz lat. Form aus Stubensandstein mit Schaftfußerweiterung und zwei reparierten Bruchstellen (1960); die Vorderseite zeigt die eingetiefte Darstellung einer sog. 'Saufeder' mit Spitze nach oben, eine mittelalterliche Jagdwaffe, speziell zum Erlegen gestellter Wildschweine (kurzer Spieß mit breiter Klinge, vom Jäger dem anrennenden Tier zwischen Kopf und Brust gestoßen auch bei geübter Handhabung eine nicht ungefährliche Jagd); am rechten Kreuzarm die eingehauene Jahreszahl '1831' eine Zugabe, die mit dem Ursprung des Denkmales nichts zu tun hat, da es weitaus älter ist; die Rückseite zeigt eine mit schwarzer Farbe nach gezogene eingetiefte Darstellung, die in der einschlägigen Literatur von Berhard Losch, 1981, als Zwei-Komponenten-Darstellung gedeutet wird: 'evtl. liegendes Messer, darüber aufrecht stehende Fußsohle' (?)

diese Deutung in Bezug auf ein eventuelles Geschehen bedarf viel Phantasie - nach eindringlicher Recherche und Einschätzung durch Erhard Weinland (Privat-Geschichtshistoriker, insbesondere 'Jagd-Renaissance-Barock-Rokoko' - erhardweinland[at]web.de) handelt es sich hier um die Darstellung eines sog. *'Hiefhorn' mit Umhängeriemen, der sog. ‘Hornfessel’, ein Teil der Ausrüstung der mittelalterlichen Jäger, Vorläufer des heutigen Jagdhornes (Verf.)

urheber: erhard weinland

Foto: Erhard Weinland (Eig. Werk)

Ang. Erhard Weinland:

Bei diesem abgebildeten 'Hiefhorn' mit 'Hornfessel' und 'Hornsatz' handelt es sich um eine sogenannte 'Replika', einen absolut geschichtshistorisch korrekten Nachbau eines von den damaligen Jägern benutzten entsprechenden Instruments. Das von mir abgelichtete 'Hiefhorn' besteht aus Rinderhorn und ist von der Größe her ein sogenanntes Halb-Rüden-Horn mit hellerem aber immer noch sehr rauen Ton. Es besitzt, wie die damaligen Hörner ab und an auch, ein Holzmundstück (weitaus öfter wurden die Mundstücke aber aus dem Horn-Ende herausgedrechselt/modeliert und waren im Gegensatz zu den Holzmundstücken nicht abnehmbar). Das verzierte 'Hornfessel' besteht aus Leder, Messingschnallen und Hirschhorn (Hirschhornrose mt gefasstem Onyx, der damals auch im Mainzer Becken/Rheinland Pfalz abgebaut wurde). Die gedrehte Riemen-Halteschnur unter der grünenen Wollstoff-Rosette befestigt das 'Hiefhorn' am 'Hornfessel'. Unter dem Horn, hängen links und rechts der mittigen Riemen-Halteschnur-Troddeln jeweils 1 Bündel grüne Schnur. Diese Schnüre werden 'Hornsatz' oder auch 'Feistschnur' genannt, welche dazu diente dem Jäger zu helfen festzustellen, ob er das was er an Niederwild auf Wanderschaft von Arbeitsstelle zu Arbeitsstelle erlegt hatte kostenlos an sich nehmen durfte (Jägerrecht damals), oder dafür bezahlen musste. Hierzu entfaltete der Jäger die 'Hornsatzschnur' und vermaß damit vom Schützenstandort bis zum 'Anschusspunkt' des Niederwildes die Entfernung. Reichte die Schnur (welche stets eine einheitlich rechtlich bestimmte Maßlänge hatte) aus für diese Entfernung war das Niederwild umsonst für ihn, wenn sie jedoch zu kurz war musste er dieses bezahlen. Das 'Hiefhorn' am 'Hornfessel' war mit das wichtigste Ausrüstungs-Utensil der damaligen Jäger. Morgens nach dem Aufstehen, Waschen und Ankleiden war der nächste Schritt unverzüglich das 'Hiefhorn' am 'Hornfessel' umzuhängen. Abends vor der Nachtruhe war es das letzte Ausrüstungs-Utensil welches der damalige Jäger ablegte. (Textkopie Erhard Weinland)

*Das Hifthorn, auch Hiefhorn, ist ein kleines, seit dem Mittelalter bekanntes Signalhorn. Der Name leitet sich von althochdeutsch hiofan 'wehklagen' ab. Mittelhochdeutsch hief oder hift bedeutet 'Jagdsignal'. Ursprünglich wurde das Hifthorn aus Rinderhorn hergestellt. Bei der weiteren Entwicklung bekam es ein Mundstück aus Metall. Die mittelalterlichen Ritter verwendeten auch kostbare Ausführungen, die mit Gold beschlagen waren, und Olifant genannte Elfenbeintrompeten. Ab dem 16. Jahrhundert waren Hifthörner gebräuchlich, die ganz aus Metall gefertigt waren. Das an einem Band über der Schulter getragene Hifthorn diente verschiedenen Zwecken. Es wurde von Nachtwächtern, Feuerwärtern, Türmern, Jägern und Hirten verwendet. Auch Bäcker, Metzger (Metzgerpost) und Postillone bliesen so ihre Signale (Posthorn). Zeitweise wurde auch die Bezeichnung Hüfthorn verwendet, was sich von der Mode ableitete, das Horn an einer längeren Kordel an der Hüfte zu tragen. Aus dem Hifthorn wurde das Jagdhorn entwickelt. Es wird noch heute verwendet; das bekannteste ist das Fürst-Pless-Horn. Das Hifthorn hat in vielen Ortswappen Einzug gefunden (Quelle: ...wikipedia.org-wiki-Hifthorn); der sog. 'Fraischstein' im Bamberger Pitzgrund zeigt u.a. auch die Darstellung eines Hiefhornes im Relief als Symbol des 'Hohen Wildbannes' (Quelle: ...bildsuche.digitale-sammlungen.de)

Ang. B. Losch, 1981: 'Standort: TK 7420 Tübingen R 00060 H 79040 Flst. 4866/3, Ca. 3,1 km vom Ort entfernt, ca. 250 m südlich der Straße Hagelloch-Hohenentringen, ca. 100 m vom 'Herrschaftsweg' im Wald, Abt. 'Brudergarten', Beschreibung: Stubensandstein. Das vormals zerbrochene Steinkreuz wurde etwa 1960 restauriert. Im linken Arm oberflächlich '1831' eingeritzt. Maße: Höhe 1,10 m, Br. 0,66, T. 0,18. Form: Tendenz zu breiten Flächen, leichte Armverbreiterung. Schaftende läuft geschwungen in breites Fußstück aus. Zeichen: Langer Spieß. Auf der Gegenseite evtl. liegendes Messer, darüber aufrecht stehende Schuhsohle. Datierung: ca. 15./16. Jh. Volkstümliche Überlieferung: Ein Bauer von Hagelloch oder Hohenentringen, der auf dem Tübinger oder Entringer Markt Ochsen verkauft hatte, wurde auf dem Heimweg wegen des Geldes umgebracht (Quelle: W. Mönch, Durchs Tübinger Himbachtal Hohenentringen zu, in: B II. des SAV, 1927, Sp. 140-143 bzw. Karl Zeeb, Sühne-wofür ?, in: Schwäb. Tagesblatt, Tübingen, 25. 3. 1966). Ein Bruder vom nahen Bruderhaus soll von einem Räuber erschlagen worden sein oder zwei Brüder sollen sich ggs. erschlagen haben (Quelle: 1.K. Zeeb, 2. G. Herre, Des Schönbuchs stumme Zeugen, 1973) (Textkopie B. Losch, 1981)
 
Quellangaben: Lit.: 1. Bernhard Losch, Sühne und Gedenken - Steinkreuze in Baden-Württemberg, Stuttgart 1981, S. 285-286, Tübingen XII, Stadtteil Unterjesingen (Abb. 496, S. 63) Kopie

Internet: 1. ...denksteine-schoenbuch.de-daraus: 2 Fotokopien, 2. ...wikipedia.org-wiki-Hifthorn (Textkopie), 3. ...bildsuche.digitale-sammlungen.de-Fraischstein, Bamberg, Pitzgrund

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Unterjesingen B: ca. 2,2 km nördl. vom Ort im Waldgebiet Schönbuch nahe der Markungsgrenze gegen Ammerbuch (Pfäffingen) am Ostabhang des Härtlesberg (günstig erreichbar: Ausg. Punkt: PSV Roseck Pferdesport, 'Roseckstraße 7': Forststraße ca. 500 m in nördl. Richtung bis Wegekreuzung folgen, hier erreicht der Weg Richtung Osten, rechts, nach ca. 60 m den Bereich des Standortes), Steinkreuz, Benennung: 'Härtlesstein' (auch 'Pest-' oder 'Schwedenkreuz')   

Obertägige Maße: (aktuell nicht bekannt), schlichtes einfaches Steinkreuz lat. Form aus Stubendandstein mit eingehauener Darstellung einer Pflugschar im Kreuzungsfeld, die die Jahreszahl '1508' in zwei Zifferngruppen teilt, ein oft auf Sühnemalen zu beobachtendes Symbol, das dem Bauernstand, bzw. Landmann zugeordnet werden kann (Verf.

Ang. B. Losch, 1981: 'Standort: TK 7419 Herrenberg R 99000 H 78600, Flst. 4866/1. Etwa 2,2 km nördlich vom Ort im Wald, nahe der Markungsgrenze gegen Ammerbach, Ortsteil Pfäffingen, am Ostabhang des 'Härtlesberg'.
Beschreibung: Stubensandstein. Maße: Höhe 0,80 m (am Abhang 1,05), Br. 0,69, T. 0,23. Form: Hoher Kopf, Querbalkenansicht betont, Schaftverbreiterung. Zeichen: Pflugschar, abwärts gerichtet. Inschrift: Jahreszahl '15(34 bzw. 45 bzw. 48 oder 49)' in zwei Zifferngruppen im Querbalken links und rechts der Pflugschar. Volkstümliche Überlieferung: Ein Bauer aus Hohenentringen, der auf dem Tübinger Markt Ochsen verkauft hatte, wurde auf dem Heimweg an der Stelle des Kreuzes ums Leben gebracht. Benennung: 'Pest-' oder 'Schwedenkreuz' bzw. 'Härtlesstein' (Quelle: w. A) (Textkopie B. Losch, 1981) 
 
Quellangaben: Lit.: 1. Bernhard Losch, 1981, S. 285, Tübingen XI, Stadtteil Unterjesingen (o. Abb.)

Internet: 1. ...denksteine-schoenbuch.de-daraus: Fotokopie

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